Viel Wasser den Bach runter...
- zeileninhalator
- 22. Juni 2025
- 5 Min. Lesezeit
Wer hätte gedacht, wir würden uns erst jetzt wieder sprechen? Vermutlich jede*r mittlerweile. Immer wieder stelle ich in den letzten Monaten fest, wie schwierig es ist einmal ALLES zu machen - und das auch noch gleichzeitig!
Sprechen wir doch einmal von den letzten Monaten. Denn auch wenn es hier still war, fließt das Leben weiter und mit diesem Umstand kommen alle Daumen lang Dinge auf einen zu, die man zunächst nicht erwartet hätte:
Als wir uns das letzte Mal auf diesem Wege gesprochen haben, stand die Leipziger Buchmesse gerade vor der Tür (oder war erst ein/zwei Tage hinter mir) und mit ihr begann die wirkliche Faserigkeit meiner Bloggingexistenz durchzukommen. Für mich, als Mensch des öffentlichen Lebens (seltsam das zu sagen), ging es mit der Buchmesse und dem damit verbundenen Trubel, nicht mehr so leicht diese Tätigkeit "Blogging", oder "BookToking" durchzuführen. Ich glaube mich erinnern zu können im letzten Blogeintrag genau dieses Thema einmal aufgegriffen zu haben, aber es schadet ja sicher kein zweites Mal. Betrachtet es gerne als "Was letzte Folge geschah". Es war mir in gewisser Weise unangenehm diese Arbeit auszuführen. Nicht, weil ich die Arbeit nciht schätze, oder sie mir zu lapidar vorkommt, sondern mehr, weil ich ein enormes Problem hatte den Mehrwert meiner Beitrages zu erkennen. Buch-Blogging ist ja kein Sujet, welches ich allein Monopolisiert habe. Es gib zig Blogs, zig Creator*innen, zig Stimmen da draußen, die einen unsagbar guten Job machen. Es sind Stimmen, die aufgeschlossen, interessiert und entertaining wirken und einen Abdruck in der Buchbranche hinterlassen - auch allein (wenn man vorher gesagtes ignoriert) weil sie kompetenter in der Mediennutzung auftreten. Ich habe mir in meinem Leben noch keinen Gedanken zu Videohooks, Retention-raten usw. gemacht, oder wüsste, wie ich diese Termini für mich nutzen könnte. So steh ich also als Blogger inmitten dieser wunderbaren Creator*innen und frage mich: Was mache ich hier? Je mehr ich mir diese Frage stellte, umso mehr lähmte mich die Erkenntnis, die ich daraus zog. Ich bin nicht gut genug für dieses "Game".
Ihr seht gerade vielleicht, wie sehr ich mit der Wertschätzung meiner eigenen Arbeit zu kämpfen habe. Selten sehe ich meine Erfolge und wenn finde ich auch an ihnen etwas zu bekritteln. Gleichzeitig sehe ich aber auch in Nichtigkeiten anderer Dinge als größer an, obwohl sie manchmal doch nur Nichtigkeiten sind.
Meine Videopläne für die LBM gingen nicht auf, die Aktionen die ich geplant hatte, konnte ich durch meine Angst vor Menschenmassen nicht durchführen und die Messe zog vorbei. Ich kehrte nach Landshut zurück, schnitt das bisschen Material dass ich aus Leipzig hatte und verschwand ins Medienexil.
Medienexil ist ein gutes Stichwort für diese Zeit. Natürlich konsumierte ich weiter Inhalte, nur produzierte ich wenig Eigenes und versteifte mich immer mehr darauf, es vielleicht (zumindest in dieser Menge) sein zu lassen. Als ich anfing mich damit abzufinden passierte aber für mich etwas Großes.
Bevor wir aber darauf zu sprechen kommen, noch ein Einwurf: Versteht mich bitte nicht falsch. Was gleich kommen wird ist eine enorme Validierung und Wertschätzung meiner Arbeit - und klar motiviert das! Sie kam auch (was meine Nutzungsverhalten meiner Kanäle angeht) zum richtigen Zeitpunkt, da es mir neuen Aufwind verschaffte. Doch auch wenn der Effekt war, wieder mehr auf den sozialen Netzen zu produzieren, so hing es nicht davon ab. Ich möchte auch nicht den Eindruck entstehen lassen, mir geht es nur um die Bestätigung. Fakt ist: Ich habe früher Videos produziert, die die 100k Marke auf TikTok sprengten und habe jetzt Glück mal über tausend Aufrufe zu kommen - das demotiviert (siehe letzten Blogbeitrag, glaube ich). Wenn man dann noch nach der eigentlichen Lohnarbeit social media als "Hobby" betreibt, extra Kräfte aufwendet, die man an anderer Stelle gebrauchen könnte, dann schlaucht das Gefühl des "Shadowbans" - des nicht mehr gesehen werdens und man fängt (logischerweise) damit an, sich die Frage zu stellen, ob es dabei bleiben kann und wie man damit umgehen möchte.
Jetzt aber wieder positives:
Mir passierte also GROßES! Eines Morgens, ich war gerade im Büro meiner Buchhandlung und machte die Kassenabrechnung fertig, klingelte mein Handy. Es war eine Frankfurter Nummer, die ich nicht kannte. Doch es gibt zu viel Buchbranche in Frankfurt um nicht ranzugehen und so drückte ich auf die grüne Taste (bildhaft gesprochen - natürlich sind wir in 2025 ich habe keine Tasten am Telefon, aber ihr wisst was ich meine). Am anderen Ende der Leitung hatte ich einen Menschen vom Börsenblatt (Rababumm-Hörer*innen werden sie als die Vogue der Buchbranche kennen), der mir berichtete beim #yeaward 2025 nominiert worden zu sein und ob ich die Nominierung annehmen würde. Ich stockte kurz und nahm an.
Der #yeaward, oder auch der sog. Young Excellence Award des Börsenblatts richtet sich an junge Köpfe der Buchbranche und ist wohl so etwas wie der Junior Oskar der buchigen Welt. Somit eine riesen Ehre für mich! Jede Nominierung zu jedem Preis wäre eine riesen Ehre, aber das war und ist schon eine wirklich besondere Sache. Das also passierte und von jetzt auf gleich änderte sich einiges. Mein Gesicht war im Börsenblatt zu sehen und ich bekam Post aus den verschiedensten Bereichen der Buchbranche, die mir allesamt gratulierten und deren Worte ich nun im Herzen trage. Es war ein seltsames Gefühl, da ich die ganze Situation nicht wirklich begreifen konnte und doch war es auch genau das was ich brauchte - ein Wundermittel gegen die Demotivatoren meines Bloggerdaseins.
Doch nicht nur das passierte. In der Zwischenzeit wurde die Planung für das Loud and Proud Bookfestival konkreter, an dessen letzten Tag ich nun diesen Blogbeitrag schreibe. Vom 20.06.-22.06. fand das Online Buchfestival der Vielfalt statt, an dessen Organisation ich dieses Jahr zum ersten Mal beteiligt war und dessen Aufbereitung wohl noch einiges an Zeit ziehen wird. Die vergangene Woche war also besonders stressig - aber nicht weniger schön. Wir haben es geschafft das größte Line-Up in der Geschichte des Festivals auf die Beine zu stellen und (knock on wood) es ist noch nichts abgebrannt.
Das passierte also alles. Doch was möchte ich euch damit sagen?
Natürlich habe ich euch nicht vergessen. Natürlich geht die Reise weiter. Sowohl in den sozialen Netzen, als auch bei "Noch eine Zeile" und meinen anderen Projekten. Der Podcast erstrahlt jetzt auch in neuem Glanz und damit kommt eine "neues" Konzept - ich bin gespannt.
Ich will euch aber vor allem eines sagen: Es geht immer wieder bergauf! Egal was ihr gerade durchmacht. Man kann alles überstehen - wieder zu sich finden und (egal aus was) neue Kraft schöpfen. Doch merkt ihr einmal eure Ressourcen schwinden, dann hört auf euer Gefühl und tretet einen Schritt zurück, denn manchmal kann etwas Abstand Wunder wirken.
Wir hören uns bald wieder!
Bis dahin,
Ruben
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