Vielleicht eine Entschuldigung?
- zeileninhalator
- 4. Feb. 2025
- 3 Min. Lesezeit
In den letzten Tagen ist es hier und auf allen anderen Kanälen sehr still geworden. Merkwürdig für eine Person, die von sich selbst behauptet Content-Creator zu sein und quasi davon abhängig ist Inhalte zu produzieren. Ich habe das Gefühl mich entschuldigen zu müssen. Entschuldigen dafür, dass ich dem im Moment nciht nachkomme, es vergesse, verplane, verdränge. Doch muss ich das überhaupt?
Content-Creation ist harte Arbeit. Was in einem 30sek endet, beginnt mit 10min Aufnahme, 1h Schnitt, 30min Recherche und ggf. 10 stündigen Lesesessions.
Wir ihr wisst arbeite ich Vollzeit im Buchhandel. Eine Arbeit, der ich gerne nachgehe und die mich zu einem gewissen Grad erfüllt. Es ist mein "Brotjob", zumindest würden es ältere Generationen so titulieren um eine grundlegende Einordnung vornehmen zu können. Ich arbeite in einem Schichtsystem des Einzelhandels und bin täglich ca. eine Stunde auf meinem Arbeitsweg. Jetzt kommen den ersten von euch sicherlich schon Videos in den Sinn, die Tagesabläufe zeigen, die bedeutend aufreibender getaktet sind. Videos von Personen, die um Fünf Uhr Nachts aufstehen, Hausarbeiten verrichten, joggen gehen, nebenbei noch für die Uni lernen, eine Hausarbeit schreiben und dann Mittags in ihren Job in einer Pflegeeinrichtung starten, der sie bis spät in die Nacht nicht mehr loslässt. Mein Tag sieht nicht so aus. Diese unmenschliche Kapazität bringe ich nicht auf. Ich arbeite 40-60h in der Woche in meiner Buchhandlung, verbringe sechs Stunden mit Autofahrten zur Arbeit und zurück, lese zehn Stunden und habe den Rest zur freien Verfügung.
Doch genau über diese "freie Verfügung" möchte ich jetzt einmal kurz sprechen. In meine restlichen Stunden quetsche ich all das Leben außenrum. Von meinen Aspirationen im Contentbereich, über Freundschaftspflege, Beziehungen, Networking, bis hin zu einkäufen und den seltenen Momenten der Stille. Das geht mir im Moment besonders an die Substanz.
Es ist ermüdend ein Ziel vor Augen zu haben, einen Antrieb, der unbearbeitet zu rumoren beginnt. Der Erfüllungsdrang, der einen aber bei all den Dingen, die sich von ihm entfernen nur daran erinnert, was man grad eigentlich alles machen sollte um ihn zu erreichen und gerecht zu werden und andere Arbeit zehnmal schwerer wirken lässt.
Es gibt so viele Dinge, die ich erledigen möchte - so viele Projekte, die sich mein Herz teilen. Von der Arbeit an eigenen Texten, über Videodrehs und Podcastaufnahmen, diesem Blog und vielem mehr, bleibt derzeit nur der Drang es anzupacken und nicht die tatsächlich verrichtete Arbeit. Nachdem ich von meinem "Brotjob" daheim ankomme bin ich meist so erledigt, dass ich nichts anderes mehr tun kann und möchte, besonders nichts kreatives. Ich bewundere alle Menschen, die es schaffen nach "normaler Arbeit" noch in einem gesteigerten Maß kreativ zu sein. Derzeit schaffe ich es nicht einmal mich vor die Kamera, oder ein Mikrofon zu setzen und einfach nur zu sprechen. Vielleicht nehme ich mir zu viel vor. Es ist doch irgendwie ein zweiter Fulltime-Job neben der Arbeit und wenig Ruhe um Kraft zu tanken. Vielleicht bin ich auch einfach nur die falsche Person dafür und jede*r andere Creator*in da draußen kann besser damit umgehen...
Vertseht mich bitte nicht falsch. Ich arbeite gerne; ich arbeite gerne viel und hart, doch gerade fehlt die "Kraft" wenn es um die Arbeit an meinen kreativen Projekten geht.
Dieser Text soll eine Entschuldigung sein und zunächst dachte ich, ich würde mich bei euch entschuldigen. Je mehr ich darüber nachdenke, umso präsenter wird mir die Tatsache: Diese Entschuldigung gilt mir. Ich entschuldige mich dafür keine Pausen zu machen. Ich entschuldige mich dafür meine Träume zu vernachlässigen. Ich entschuldige mich keine 200% geben zu können und mit 100% auskommen zu müssen.
Dieser Text ist vielleicht auch ein kleines Lebenszeichen. Hallo, ich bin noch da! Ich habe euch nicht vergessen! Aber ich habe mich etwas vergessen und hole nun ein wenig verpasste Zeit auf. Wir sehen uns wieder, keine Frage, aber bis dahin brauche ich mich noch ein bisschen.
Bis dahin
Euer Ruben
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